:::: CPOV in Leipzig

5 Jul

Am 25./26. September 2010 werden wir die deutschsprachige Konferenz [[Wikipedia:Ein Kritischer Standpunkt]] in Leipzig zusammen mit dem Leipziger Verein cultiv veranstalten. Die UB Leipzig sowie die Bundeszentrale für politische Bildung werden diese Konferenz unterstützen.

Nach der englischsprachigen Wikipedia-Sprachversion ist die deutschsprachige Wikipedia die zweitgrößte Sprachversion mit mehr als einer Million Artikeln. Auf internationalen Treffen wie der Wikimania ist der Einfluss des deutschen Wikimedia Vereins – unterstützendes institutionelles Rückgrat der deutschsprachigen Wikipedia – auf die Wikipedia als globales Projekt deutlich sichtbar. Für den deutschen Raum zeigt desweiteren die Studie des Kommunikationswissenschaftlers Christian Neuberger, dass Journalisten Wikipedia insbesondere für sogenanntes Hintergrundwissen konsultieren. Der Einfluss der deutschsprachigen Wikipedia lässt sich daneben auch an den öffentlichen Diskussionen um das Prinzip der freien Rede am Beispiel der Wikipedia-Einträge über den Politiker Lutz Heilmann oder die ‚Sedlmayr-Mörder‘ ablesen. Aber auch Wikipedia-inhärente Themen werden mittlerweile in deutschsprachigen Blogs, auf Twitter und in überregionalen Printmedien diskutiert. So wurde etwa die Qualitätsdiskussion der deutschsprachigen Wikipedia als Streit zwischen Inklusionisten und Exklusionisten um Relevanzkriterien dargestellt und erörtert.

Die drei gewählten Themenschwerpunkte der eineinhalbtägigen Konferenz [[Wikipedia:Ein Kritischer Standpunkt]] leiten sich aus der Bedeutung des Wikipedia-Projektes für eine Neukonfiguration von Wissens(re)produktion und deren Konsequenzen für Öffentlichkeit(en), Architekturen der Partizipation und politische Bildung in einer Mediendemokratie ab:

Wikipedia & die Politik freien Wissens

Die mehrsprachige Wikipedia-Plattform gilt als eines der Erfolgsbeispiele für den Transfer von FLOSS (Free/Libre/Open Source Software)-Prinzipien auf die Ebene der Inhalteproduktion. Auf der Social-Web-Plattform versammeln sich unterschiedlichste Akteure, um Wissen darzustellen, über die ‚richtige‘ Darstellung von Wissen in der Öffentlichkeit zu diskutieren und Fragen des Zugangs zu Wissen anzugehen. Bei der Herstellung von Wissen als ‚common good‘ verschiedener sprachlich strukturierter Öffentlichkeiten in der Wikipedia bilden Konzepte des ‚Freien’ bzw. ‚Offenen’ (free knowledge/open source) den Kern. Was liegt aber hinter diesen Konzepten? Dienen sie gar als ‚leere Signifikanten’?

Digitale Governance

Welche neuen Prozesse und Strukturen determinieren den (Nicht-) Zugang zu Wissen? Welche Beziehungen entstehen zwischen Wikipedia und externen gesellschaftlichen Institutionen wie z.B. Schulen? Wie ist ‚agency‘ innerhalb der Wikipedia verteilt? Solche Fragen der Selbstregulation sind eng verwoben mit dem Versuch, die Architekturen der Partizipation in der Wikipedia als Kollaboration bzw. ‘ad hoc meritocracies’ (Alex Bruns) zu beschreiben. Eine Analyse der Rekonfiguration des Politischen und neuer Formen der Schließungen blieb dabei bislang außen vor. Doch eine Auseinandersetzung mit der digitalen Governance bedeutet in erster Linie, dass die Rolle(n) und Ideologeme der MediaWiki-EntwicklerInnen sowie der institutionellen Hinterbühne (Wikimedia Foundation, Wikimedia Chapter) kritisch in Bezug zur Idee des ‚freien Wissens’ gesetzt werden.

Wikipedia & Bildung

Zeitungen, Fernsehen, Radio und das Kino sind Gegenstand medienpädagogischer Analysen und haben innerhalb der Diskussionen ihren festen Platz gefunden haben. Obwohl im Bildungsalltag Wikipedia in Nutzungspraktiken – insbesondere bei Jugendlichen – Eingang gefunden hat, bedarf es dagegen noch einiger Anstrengungen, um ähnliche kritische Analysen für digitale Projekte wie die Wikipedia zu entwickeln. Wissen über die Wissensherstellung ist für den Bereich der politischen Bildung nicht nur eine Frage der Medienkompetenz, sondern auch eine Frage der Entwicklung eines kritischen, hinterfragenden Bewusstseins: Auf der Wikipedia versuchen unterschiedliche Akteure – von staatlichen über wirtschaftlichen bis hin zu zivilgesellschaftlichen Akteuren – Deutungshoheit über historische wie aktuelle Themen in so genannten ‘edit wars’ zu gewinnen. Die De- bzw. Rekonstruktion solcher politischen bzw. politisierten Kontroversen ist in der heutigen Informationsgesellschaft wichtiger Bestandteil für politische Bildung, um ein Verständnis für politische Kultur entwickeln zu können.

Weitere Infos werden wir in Bälde veröffentlichen. Für Rückfragen stehen Andreas Möllenkamp und ich gerne zur Verfügung.

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